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Donnerstag, 6. April 2017

Der Rocket-Man

Bei manchen unserer Aufträge bewegen wir uns in ehemals vom Krieg betroffenen Regionen. Manchmal ist dort auch immer noch eine "unsichere" Situation, wie etwa im Irak oder in Afghanistan. Bei Bauprojekten stellen sich dabei nicht selten auch Fragen nach der Kampfmittelfreiheit des Baugrundes. Es muss also geklärt werden, ob sich dort noch Waffen, Munition oder Minen befinden, bevor die Bauarbeiten beginnen können. Dies beurteilen meist die staatlichen Stellen des Landes, in dem das Projekt durchgeführt werden soll. Es ist aber gute Praxis, selbst mit eigenen Experten diese Beurteilung zu begleiten. Ggf. ist die Kampfmittelräumung dann auch Projektbestandteil, dann nutzen wir eher unsere eigenen Partner als regionale Unternehmen oder das Militär.

Einer der absoluten Experten für Kampfmittel aller Art war Paul. Paul hatte eine Ausbildung bei den Streitkräften der DDR erhalten, und da Deutschland ja aufgrund des 2. Weltkrieges auch mit allerhand Blindgängern und Minenfeldern belastet war, erwarb er sich über einige Berufsjahre im Dienst der DDR eine riesige Erfahrung mit allen Arten von Munition, Sprengmitteln usw. Zudem wurde er im Rahmen der "Entwicklungshilfe" in den 1980er Jahren im von der Sowjetunion besetzten Afghanistan eingesetzt und lernte dort auch die Modernen Kampfmittel aus russischer Produktion kennen.

Paul kannte sich also gefühlt mit allen denkbaren Munitionsarten, Minen und Bomben aus die irgendwer jemals erschaffen hatte. Ich hatte mehrmals mit Paul zu tun, sowohl im ehemaligen Jugoslawien als auch in Afghanistan. Dort erwarb er sich durch eine besonders denkwürdige Aktion nicht nur unseren Respekt sondern auch die Annerkennung eines EOD-Teams der US-Marines, die sicherlich auch nicht wenig in ihrer Laufbahn gesehen hatten. Und das kam so:

In der Nähe von Kandahr sollte ein Firmengelände für einen unserer Kunden als Stützpunkt und Bauhof für zukünftige Projekte in der Region hergerichtet werden. Nachdem viele, viele Formalitäten mit den örtlichen zuständigen (und nicht zuständigen) Behörden abgewickelt worden waren konnte das Gelände angekauft und mit den ersten Arbeiten begonnen werden. Eine der ersten Maßnahmen war, wie üblich, ein so genannter "IED-Sweep", also die Absuche des Geländes nach unkonventionellen Spreng- und Brandvorrichtungen, landläufig Sprengfallen. Es bestand eine gewisse Wahrscheinlichkeit auch wirklich etwas zu finden, denn um das Gelände herum hatte es offenbar Kampfhandlungen gegeben.

Neben einer Kiste mit unscharfen Handgranaten aus jugoslawischer Produktion, die allerdings überlagert und nicht transportsicher waren, fanden wir in einem Keller einige Abwasserrohre, wie man sie in Deutschland im Baumarkt kaufen kann. Sie waren auf eine ungewöhnliche Länge abgeschnitten und vor und hinten mit Deckeln versehen, was für den normalen Gebrauch keinen Sinn macht. Dennoch brauchte es Paul und seinen legendären Spürsinn, um die Gefahr dabei zu erkennen. Die obersten Rohre waren offenbar leer, weiter unten in dem Haufen befand sich aber etwas in den Rohren.

Marines und Contractors im Shur Andam Industrial Park Kandahar
U.S. Department of Defense Current Photos
Da ohnehin alleine aufgrund der notwendigen Sprengung der Handgranaten die ANA (die Afghanische Nationalarmee) hinzu gezogen werden musste, sahen wir zunächst von weiteren Untersuchungen ab und gingen weiter der Suche im Gelände nach. Nach eine gefühlten Ewigkeit traf ein Trupp der ANA ein, der aber nur mitteilen könnte, dass man noch auf eine amerikanische Mentoren-Einheit zu warten hätte. Die dann am nächsten Tag eintraf...

Glücklicherweise handelte es sich bei der Mentoring-Einheit um einen EOD-Trupp, also um eine für Entschärfungen speziell ausgestattete und ausgerüstete Truppe. Paul führte den Truppführer zu dem verdächtigen Platz, und nach einer kurzen Diskussion stand fest, dass dort tatsächlich eine Gefahr zu bestehen schien. Seitens der Amerikaner musste weiteres Personal und Material nachgeführt werden, einschließlich eines Sanitätstrupps. Erst dann wagten sich die Experten weiter vor.

Katjuscha-Raketen
Von Tomasz Szulc
Scan from Nowa Technika Wojskowa 10/93
Gemeinfrei
Nach einigen Stunden schwieriger Arbeit an dem Haufen Rohre hatten die Marines neben den Handgranaten insgesamt 10 sowjetische 9M22-Raketen abgelegt, die für den Raketenwerfer BM-21 "Grad" produziert wurden. Diese Raketen kennt man aus den Medien als "Katjuscha", und sie wurde häufig von improvisierten Startrampen aus gegen Israel oder, in Afghanistan, gegen die Feldlager der ISAF, eingesetzt. Normalerweise würden die "Besitzer" solche wertvollen Waffen nicht irgendwo zurück lassen. Wie die Dinger also in den Keller des Fabrikgebäudes gekommen waren, kann nur spekuliert werden. Eventuell wurden sie von irgendwem irgendwo gestohlen und dort versteckt. Hin und wieder kann dann der Dieb seine Beute nicht mehr bergen und auch niemandem erzählen wo er sie versteckt hat, weil er selbst vorher zu Tode kommt.

Jedenfalls war ein solcher Zufallsfund wohl etwas so Besonderes, dass Paul von da an von den Marines, die wir später noch mehrmals treffen sollten, der Rocket-Man genannt. Bei einem informellen Treffen mit der Einheit, bei dem es sogar ein BBQ gab, wollten die jungen Marines nur die Geschichten des alten Deutschen "Rocket-Man" hören, der sie gerne zum besten gab. Er war schon in Afghanistan gewesen, als manche der Soldaten, mit denen er sprach, noch nicht geboren waren.

Mittwoch, 29. März 2017

Die Coins und ich

Bei "coins" denkt man in unserem Geschäft meist an etwas ganz anderes als an dass, womit ich es vor ein paar Jahren zu tun bekam. Der Projekttitel lautete in etwa "Aufbau einer Bitcoin-Mine". Ich dachte dabei zunächst an ein Bergwerk oder etwas ähnliches, halt das, was man sich gemeinhin unter einer Mine vorstellte. Normalerweise gibt es für Mining-Projekte Spezialisten, so war ich schon verwundert, als mein Boss mich zu einem entsprechenden Meeting einlud.


Beim sichten der ersten Unterlagen wurde klar, dass es wohl nicht um ein Bergwerk, sondern um eine Art Rechenzentrum ging. Also vielleicht ein Rechenzentrum für ein Bergwerk? Ich wurde schnell belehrt: Bitcoins sind eine Art elektronischer Währung. Sie entstehen dadurch, dass jemand dem Bitcoin-Kollektiv (also faktisch dem Netzwerk aller Nutzer dieser Währung) einen Nachweis erbringt, dass er eine bestimmte Menge an Rechenleistung seiner Computer aufgebracht hat. Dafür bekommt er die Bitcoins sozusagen als Belohnung. Da man natürlich mehr Bitcoins errechnen kann, wenn man mehr Computer hat, entstanden in den vergangenen Jahren immer größere und Professioneller Bitcoin-Rechenzentren, die eben Minen genannt werden.


So könnte es in einer Bitcoin-Mine aussehen
Da diese Bitcoin-Minen für die Betreiber, die Miner, eine große Investition darstellen und die errechneten Bitcoins schnell viele Millionen Dollar wert sein können müssen die Miner ihre Minen schützen. Neben den allgemeinen Regeln des Risikomanagements für Rechenzentren generell kommt hier noch der Aspekt dazu, dass die Minen nicht an einen bestimmten Ort gebunden sind und deshalb dort gebaut werden, wo man günstigen Strom bekommen kann, denn das ganze Rechnen braucht viel Energie.


Solche Orte gibt es weltweit einige, aber manche davon sind nicht gerade so sicher, als dass man dort für Millionen von Dollar EDV-Komponenten aufstellen will. Also macht man das dort, wo generell wenig los ist. So ein Ort ist z.B. Island. Also reisten wir nach Island und kämpften dort mit dem Wetter und mit einigen Fragestellungen, die sich eben daraus ergeben, dass dort wenig los ist. So werden im Notfall die Hilfsdienste wie Feuerwehr und Polizei sicher eine Zeit länger brauchen als in Frankfurt am Main. Auch müssen gewisse Vorkehrungen für Ausfälle beachtet werden, denn nicht nur die bösen Buben brauchen länger bis da hin, sondern auch der Paketdienst mit den wichtigen Ersatzteilen.


Das Projekt war am Ende sehr interessant, auch wenn es zunächst weit Abseits von meinem Vorstellungs-Horizont lag. Seitdem beschäftige ich mich auch etwas näher mit der Kryptowährung Bitcoin. Eher zum Spaß, als um damit ernsthaft zu investieren und Geld zu verdienen, der Gedanke, eine von den Zentralbanken unabhängige, weitgehend anonyme Währung zu nutzen fasziniert mich dennoch.


Um einzusteigen braucht es zunächst eine elektronische Geldbörse, Wallet genannt. Die kann man als Software auf seinem PC oder Smartphone nutzen oder man bedient sich eines Dienstleisters, wie etwa Coinbase. Dort kann man auch seine ersten Bitcoins erwerben, indem man traditionelles Geld (so genannte Fiat-Währung) eintauscht.


Um Bitcoins zu verdienen, kann man auch selbst zum Miner werden. Man braucht dafür nicht unbedingt ein so großes Rechenzentrum wie dass, welches ich hier beschrieben habe. Allerdings kostet die Hardware für zuhause schon ein paar Euro und natürlich braucht die auch daheim Strom. Man muss also schon ernsthaft rechnen, ob sich das lohnt. Meist eher nicht. Eine andere Möglichkeit wäre dann das Cloud-Mining, dabei erwirbt man Anteile an der Rechenleistung der großen Bitcoin-Minen. Das kann sich eventuell schon eher lohnen, weil man sich den gesamten Overhead mit vielen anderen Anlegern teil. Ein Anbieter für das Cloud-Mining ist z.B. Genesis Mining.


Natürlich gibt es unzählige weitere Arten, um Bitcoins zu verdienen, viele davon sind nicht unbedingt seriös und die allermeisten sind, in Releation zum Verdienst, unglaublich aufwändig. freebitco.in ist am ehesten mit einer Art Casino zu vergleichen, bei Seiten wie BitForClicks bekommt man dafür, dass man bestimmte Anzeigen anklickt, eine minimale Belohnung im Wert von Bruchteilen eines Cent.